Donato Carrisi – Der Todesflüsterer

Mit „Der Todesflüsterer“ legt der ehemalige Anwalt Donato Carrisi seinen Debütroman vor, der in der Presse in den höchsten Tönen gelobt wird und ihm 2009 den italienischen Literaturpreis „Premio Bancarella“ einbrachte.

Sechs entführte Mädchen, sechs kleine Gräber, sechs linke Arme: Das ist die Ausgangslage dieses Buches. Mila Vasquez, Expertin für Entführungsfälle, macht das Team um den Profiler Goran Gavila, das sich mit dem Fall beschäftigt, komplett. Eine fieberhafte Suche nach dem zuletzt verschwundenen, möglicherweise noch lebenden Mädchen, beginnt.

Albert, so haben die Ermittler den Täter getauft, lässt in regelmäßigen Abständen die Leichen der verschwundenen Mädchen auftauchen und markiert mit ihnen Schauplätze bisher unentdeckter Verbrechen. Diese reichen oft weit in die Vergangenheit zurück und werden nur dank Albert aufgeklärt. Was bezweckt er damit?

Donato Carrisi baut von Anfang an Spannung auf, die er das ganze Buch über halten kann. Zwar werden immer wieder Aufklärungen eingeschoben, das tut der Spannung aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Der Leser ist umso gespannter, wie die ganzen Handlunsgstränge schlussendlich miteinander zusammenhängen. Immer wieder gelingt es dem Autor, den Leser zu schocken und durch die subtile Spannung des Buches zu ängstigen. Das Buch endet in einem krönenden Finale, in dem alle Fäden zusammengeführt werden und eine erschreckende Auflösung geliefert wird.

Der italienische Titel „Il Suggeritore“ (zu Deutsch: Der Souffleur“) beschreibt exakt die Frage, die sich das Buch zum Thema macht. Kann in einem Menschen wirklich durch Manipulation das latent vorhandene Böse geweckt werden? Kann man einem bisher anständigem Menschen einen Mord einreden? Inwiefern ist dieser dann schuldig an dem begangenem Verbrechen?

Ein intelligentes, komplexes und vor allem sehr spannendes Buch. Von Donato Carrisi wird man sicher noch mehr hören.

Published in: on Februar 21, 2010 at 14:56  Hinterlasse einen Kommentar  

Jeffery Deaver – Allwissend

Die junge Tammy wurde entführt und von ihrem Peiniger in einem Kofferraum eingesperrt zurückgelassen – an einem Strand, der kurze Zeit später komplett überflutet sein würde. Buchstäblich in letzter Sekunde wird das Mädchen aus ihrem Gefängnis befreit.

Am vorigen Tag findet ein Polizist ein Kreuz am Straßenrand. An sich nichts Ungewöhnliches, ein solches Kreuz wird häufig  zum Gedenken an die Opfer von Verkehrsunfällen aufgestellt.  Doch Dieses ist auf den morgigen Tag datiert. Nur ein Fehler oder doch die Ankündigung eines Verbrechens? Hängt der Überfall auf Tammy mit dem Kreuz zusammen? Kündigen weitere Kreuze weitere Morde an?

„Allwissend“ knüpft nahtlos an „Die Menschenleserin“ an, mit der die Serie um die Kinesiologin Kathyrn Dance ihren Auftakt feierte.  Schon im letzten Buch wusste die scharfsinnige Ermittlerin mit ihrem Wissen rund um die menschliche Körpersprache zu begeistern und auch in diesem Buch greift sie wieder tief in die Trickkiste, um Zeugen zum Reden zu bringen. Geradezu liebenswert ist ihre Unsicherheit, die sie empfindet, wenn sie sich auf unbekanntem Terrain z.B der Forensik bewegt.

Deaver versteht es, den Leser mit seinen abgrundtief spannenden Geschichten in den Bann zu ziehen.  Seine teuflischen Ideen ängstigen den Leser und bringen zum Nachdenken. Der „Kreuzkiller“ – so tauften die Medien den Täter – macht die schlimmsten Ängste seiner Opfer wahr. Tammy, die unter ausgeprägter Klaustrophobie leidet, sollte in einem dunklen, engen Kofferraum sterben. Der Überfall auf ein weiteres Opfer, das große Angst vor der Vorstellung hat, jemand oder „etwas“ könne durch sein Fenster spähen, wird durch eine hässliche Fratze vor seinem Fenster angekündigt. Unwillkürlich fragt sich der Leser, welches seine größte Angst ist und wie der Kreuzkiller sie gegen ihn verwenden könnte.

Doch der Autor unterhält nicht nur mit diesem Roman, sondern klärt auch auf. Der Täter hat seine Informationen über die Opfer und  deren Adressen aus dem Internet. Viel zu viel geben heutzutage die Internetnutzer über sich preis, und viel zu leicht lassen sich diese Daten gegen sie verwenden. Durch das ganze Buch zieht sich die unterschwellige Warnung, vorsichtig mit persönlichen Informationen umzugehen und sie nicht jedem zugänglich zu machen, indem man sie ins Netz stellt. Dieser „erhobene Zeigefinger“ langweilt nicht, im Gegenteil, er bringt den Leser zum Nachdenken. Ein größeres Kompliment an den Autor kann es kaum geben.

Das zweite Buch mit Kathryn Dance hat wieder auf ganzer Linie überzeugt und so bleibt einem nichts anderes übrig, als auf einen weiteren Fall rund um die sympathische Kinesiologin zu warten.

Published in: on Februar 21, 2010 at 14:51  Hinterlasse einen Kommentar  
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