Anthony E. Zuiker – Level 26

Seine Opfer: Jeder

Seine Methoden: Alles, was ihm geeignet erscheint

Sein Alias: Sqweegel

Seine Einstufung: Level 26

Mörder werden von Strafverfolgungsbehörden je nach Brutalität des verübten Verbrechens in Kategorien ihrer Bösartigkeit eingestuft. Bisher waren die grausamsten, blutrünstigsten Taten dem Level 25 zugeordnet. Für diesen Mann jedoch musste Level 26 geschaffen werden: Sqweegel, ein Psychopath, der Verbrechen von einer Grausamkeit verübt, die über das menschliche Vorstellungsvermögen hinausgeht.

Der Autor Anthony Zuiker, aus dessen Feder die Erfolgsserie CSI stammt, hat mit „Level 26“ das erste „Digi-Novel“ erschaffen, das Buch und Film miteinander verknüpft. Etwa alle 20 Seiten findet sich ein Code, mit dem man sich nach einer Registrierung Zugang zu Filmchen verschaffen kann, die die Handlung ergänzen. Nötig zum Verständnis sind diese nicht. Versprochen wird ein völlig neues Erlebnis, das Buch 2.0. Was man bekommt, ist aber leider ein nur mittelmäßiger Thriller, der ausschließlich durch den Reiz des Neuen besticht.

„Level 26“ ist dennoch ein Buch der Superlative: Der Serienkiller ist noch grausamer, noch gerissener und sein Gegenspieler noch intelligenter und begabter als je zuvor. Das wirkt leider sehr unglaublich und langweilt nach einiger Zeit nur noch, zudem wird an keiner Stelle erklärend darauf eingegangen, woher diese Begabungen stammen. Wie zum Beispiel kann ein Serienkiller die Polizei Jahrzehntelang an der Nase herumführen? Und woher hat Steve Dark, Sqweegels Gegenspieler, seine Fähigkeit, sich in die Psyche anderer Menschen hineinzuversetzen? Wären diese Aspekte beleuchtet worden, hätte das Buch um einiges an Authentizität gewonnen.

Die Handlung des Buches ist altbekannt, auf stilistische Mittel wird völlig verzichtet, Spannung kam höchstens kurzzeitig auf. Es scheint, als hätte sich der Autor völlig auf seine revolutionäre Idee verlassen und alle anderen Mittel, die einen Thriller ausmachen, außer Acht gelassen. Die Filmchen, die man sich laut Instruktion etwa alle 20 Seiten ansehen soll, reißen einen völlig aus dem Lesefluss, zudem muss der ständige Zugang zu einem Computer mit Internetzugang gegeben sein. Unterwegs zu lesen macht somit wenig Sinn. Auch die Videos orientieren sich an dem Motto “Je blutiger desto besser”. Schon im Buch furchtbare Szenen wirken vor allem wegen der professionellen Schauspieler noch eindringlicher, wenigstens hier kommt Spannung auf.

Das Einzige, was an den sogenannten „Cyber-Brücken“ störte, war die Tatsache, dass das Vorstellungsvermögen der Leser übergangen wird. Ich möchte mir selbst in Gedanken ausmalen, wie die Charaktere aussehen, wie sie sich verhalten, denn davon lebt meines Erachtens ein gutes Buch. Durch die vorgegebenen Schauspieler wird die Fantasie des Lesers doch sehr stark eingeschränkt. Insgesamt ein gerademal mittelmäßig Buch, das einzig und allein wegen der Idee, Buch und Film zu verknüpfen, zumindest bedingt empfehlungswert ist.

Published in: on Juli 24, 2010 at 12:53  Hinterlasse einen Kommentar  

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