Das Vermächtnis der besonderen Kinder

Worum gehts?

Auf dem Totenbett beauftragt der geheimnisvolle H – Jacobs letzte Verbindung zu seinem geliebten Großvater Abe – Jacob mit einer unmöglichen Mission: Er soll die Besondere Noor Pradesh zu einer geheimnisvollen Verbündeten namens V bringen, von der Jacob nur den Namen kennt. Noor steht im Mittelpunkt einer uralten Prophezeiung, die den Untergang aller Besonderen vorhersagt. Sie wird von mächtigen Gegnern gejagt und die wenigen Hinweise, die Jacob zu V führen sollen, sind mehr als verwirrend. Gefangen zwischen alten Feinden und einer neuen Bedrohung, wird die Zeit knapp für Jacob und seine Freunde …

Meine Meinung

Mal wieder war ich etwas skeptisch gestimmt, als ich erfuhr, dass ich die Reihe um Miss Peregrines besondere Kinder ein weiteres Mal in die Verlängerung geht. Viele Autoren haben die Eigenheit, Fortsetzungen für eine eigentlich längst abgeschlossene Reihe zu schreiben, und dabei, obwohl die Hoffnung auf Ruhm und Geld groß war, lediglich negative Aufmerksamkeit auf sich und die Reihe zu ziehen. Denn es ist schwer für eine grandiose Trilogie würdevolle Nachfolger zu erschaffen, die die Erwartungen der eingeschworenen Fangemeinden (die es zu Jacob & co. auf jeden Fall gibt) erfüllen und auch darüber hinaus begeistern. Wie gesagt: es ist schwer. Doch nicht unmöglich. Und Ransom Riggs hat hiermit den Beweis geliefert.

Wo soll man dabei anfangen? Wie gewohnt ist Rigg´s Schreibstil leicht zu lesen, sodass man förmlich über die Seiten fliegt. Dies liegt natürlich auch an den bildhaften, authentischen Beschreibungen, die die Handlungen während des Lesens perfekt in die Vorstellung projizieren (Ob Horace da am Werk war?), als würde parallel zu dem Buch ein Film im eigenen Kopf laufen. Die Personen und teilweise Handlungsorte werden allerdings auch durch die – wie in bisher jedem Band – zahlreich abgedruckten Bilder besser vorstellbar. Ob Verhaftungsfotos, Bilder von den Besonderen oder ein Tornado… es ist alles dabei. Ab und zu hat man daher beim Durchblättern das Gefühl, in der schriftlichen Variante eines Gruselkabinetts zu sein. Und wer weiß, vielleicht war das ja sogar das Ansinnen des Autors. Sehr schade finde ich allerdings, dass der Leser nicht erfährt, welche der Bilder die „Handvoll digital bearbeiteter“ sind. Sicher sollte diese fehlende Transparenz die Authentizität der Fotos steigern. Doch wirkt diese Vorgehensweise bei mir andersherum – wenn ich nicht weiß, welche Bilder (und am besten: wie) bearbeitet wurden, fühle ich mich gezwungen, jedes Bild dementsprechend zu verdächtigen. Dabei sind ja tatsächlich die meisten Originale, doch welche…? Wenn auch schon nicht im Buch, so hätte ich mir eine Klarstellung zumindest im Internet, passenderweise auf der Website des Autors, gewünscht. Dennoch tut dieses Detail der Großartigkeit des Buches keinen Abbruch.

Fans der Geschichte – und das muss man wohl sein, um bis zu Band 5 (beziehungsweise mit der Kurzgeschichtensammlung „Die Legenden der besonderen Kinder“ Band 6) durchzuhalten – werden sich darüber freuen, wieder mit Jacob, Miss Pergrine und ihrem ganzen chaotischen Haufen unterwegs sein zu können. Neu dabei ist seit dem letzten Band Noor, ein Mädchen, das Licht schlucken kann, was nachtschwarze Dunkelheit erschafft und welches Sie ähnlich wie Feuerbälle als Waffe verwenden kann. Und gleichzeitig auch ein Mädchen, das scheinbar Teil einer alten Prophezeiung ist (leider ist Riggs in diesem Fall den Klischees verfallen), wodurch sie zum Ziel gleich mehrerer Partein geworden ist. Dabei kommt ihr nur zu Gute, dass sie sich faszinierend gut in die Gruppe von Jacobs Freunden einfügt.

Emotional geht es in diesem Band besonders hoch her. Abgesehen davon, dass Mal wieder alle Besonderen sehr gut zusammenhalten und sich gegenseitig Vertrauen schenken müssen, um ihre Gegner abzuwehren, entsteht durch die Aufnahme Noors eine etwas veränderte Gruppenstruktur. Denn obwohl Emma und Jacob bereits im letzten Band auseinander gegangen sind, rivalisieren sich Noor und Emma unterschwellig. Emma wird dabei immer mehr aus dem Handlungsfeld gedrängt und ist mittlerweile keine wirkliche Hauptperson mehr. Und an ein ein Buch im Universum der besonderen Kinder ohne Jacob und Emma als Paar muss ich mich erst gewöhnen.

Zum Glück hat die Verfilmung des ersten Teils (die allerdings auch Stücke des zweiten Buches umschließt) da schon Vorarbeit geleistet. Würden die Charaktere der Besonderen wirklich existieren, würden Emma und Olive jeden Tag erneut eine Existenzkrise durchmachen: Wer bin ich? Was sind meine Fähigkeiten? Kann es sein, dass ich du bin? Und wenn ja, warum bin ich trotzdem mit Jacob zusammen?… Was Tim Burton beim Drehen durch den Kopf ging, kann ich leider nicht verstehen. Daher hilft es mir ein wenig, dass Emma nun teilweise aus dem Blickfeld verschwunden ist, denn dann muss ich nicht länger über Ihre Charakterkonzeption nachdenken. So oder so empfehle ich: Den Film auf keinen Fall schauen, bevor nicht die Reihe gelesen wurde.

Fazit

Auch im fünften Band der besonderen Kinder beweist Ransom Riggs, dass es mit Jacob und seinen Freunden niemals langweilig wird. Ein bildhafter Schreibstil, verbitterte Feinde und außergewöhnliche Besondere halten die Spannung zu jeder Zeit hoch. Durch die eingefügten Bilder ist das Buch außerdem hübsch anzusehen. Einziger Kritikpunkt: die Geschichte hätte länger sein sollen…

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